• Lukas Enzler

Unkraut wächst überall...

Der schöne Frühling, viel Sonne und regelmässiger Regen: Die Pflanzen spriessen und gedeihen in diesem Jahr besonders gut. Doch nicht alles, was wächst, ist in unserer ordentlichen Welt willkommen – das Unkraut wuchert genauso. Dabei sind es einfach nur Pflanzen, die zur falschen Zeit am falschen Ort wachsen. Vieles was mit grossem Aufwand gezupft oder mit Gift übergossen wird, wäre zum Verzehr oder als Heilpflanze nutzbar. Wird nicht eingegriffen, gleicht ein englischer Rasen bald einer bunten Wiese. Der Mensch nimmt sehr gerne Einfluss. Das Problem ist, dass die daraus resultierenden Folgen oft ebenfalls nicht erwünscht sind. Nicht nur in der Natur…

Konjunkturelle Ausgangslage

Das Corona-Virus hat die Realwirtschaft gefordert: Das Angebot und die Nachfrage sind fast gleichzeitig weggebrochen. Definitionsgemäss erleben wir aktuell eine Rezession. Es genügen bereits zwei Quartale in Folge ohne Wachstum, damit von einer Rezession gesprochen wird. Aus den ersten, zukunftsgerichteten Konjunkturdaten lässt sich schliessen, dass derzeit von einer kurzfristigen Störung durch das Virus ausgegangen wird. Dies gilt jedoch nur, wenn eine zweite Covid-19-Welle verhindert werden kann oder eine solche nur sehr mild verläuft. Am quälendsten war und ist die Ungewissheit. Das Corona-Virus ist noch nicht besiegt.

Die Notenbanken haben nach dem bekannten Rezept die Geldmenge drastisch erhöht. Vor allem das Fed (US-Notenbank) war so schnell, dass die Märkte wegen der frühen Intervention verunsichert wurden. Das Virus war zu diesem Zeitpunkt in den USA noch nicht richtig angekommen. Die US-Regierung hat ein bisschen länger gebraucht, bis die Gefahr anerkannt wurde.

Donald Trump braucht eine starke Wirtschaft, wenn er in diesem Jahr für eine zweite Amtszeit gewählt werden will. So hat er – wie auch sein Herausforderer Joe Biden – angekündigt, die US-Wirtschaft mit Konjunkturprogrammen am Laufen halten zu wollen.

In Europa ist Covid-19 ausgerechnet zuerst im wirtschaftlich starken Norden Italiens ausgebrochen. Nett gesagt, war Italien bereits vor Corona «angeschlagen». Italienische Politiker warben ab März in Nordeuropa mit ganzseitigen Zeitungsinseraten für Corona-Anleihen. Diese sollen erstmals über die Europäische Union ausgegeben werden. Der langjährige Widerstand Deutschlands scheint momentan zu schwinden, womit die «Vergemeinschaftung» der Schulden innerhalb Europas wahrscheinlicher denn je ist.

Der Bundesrat hat die Corona-Krise wirtschaftspolitisch betrachtet bislang im Vergleich zum Ausland sehr gut gemeistert. Die Unternehmen konnten mit neuen Krediten den «Lockdown» überbrücken und die Kurzarbeitsentschädigung wurde schnell an die aktuelle Situation angepasst. Jüngst zeigt sich jedoch eine Vollkasko-Mentalität, bei welcher der Staat als Versicherung für alles Unheil geradestehen soll. Die Wirksamkeit von staatlichen Eingriffen, die wegen der politischen Verfahren meist zu spät greifen, ist gemäss diversen wissenschaftlichen Untersuchungen begrenzt, wirkungslos oder fehlgeleitet.

Erkenntnisse aus Finanzmärkten

Die Finanzmärkte können mit Unsicherheiten schlecht umgehen. Die nach der Rallye 2019 sehr stolz bewerteten Aktien sind regelrecht auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Die von den Notenbanken geschaffenen Geldmengen unterstützten die Kapitalmärkte. Die Frage stellt sich, was passiert, wenn diese Geldmengen dereinst wieder reduziert werden. Stetig steigende Schulden machen ein System nicht stabiler. Der Geldsegen der Notenbanken hat vorderhand die Börsen auf ein Niveau von Jahresanfang gehievt. Während sich etliche Aktienwerte nicht wirklich erholen konnten, sind andere noch weiter in luftige Höhen gestiegen. Profitiert haben vor allem Pharma-, Biotech- und Tech-Titel. Die Zukunft wird zeigen, wie viel dieser Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind.

Konsequenzen für Anlagetätigkeit

Das Corona-Virus haben wir nicht als den gefürchteten «Schwarzen Schwan» gesehen (siehe letzter Bericht). Die Eingriffe der Notenbanken und der Staaten waren früh zu erkennen. Die sagenhafte Erholung der Börsen beunruhigt uns. Nach den ersten, schrittweisen Zukäufen im Frühling verfügen wir bei den von uns betreuten Depots noch über Handlungsspielraum für weitere Käufe, sobald sich die blinde Euphorie wieder legt. Obligationen kaufen wir nur zur Vermeidung von Minuszinsen.

Allgemeines Fazit

Die Ausrufung einer Notlage scheint im Verhältnis überraschend einfach zu sein. Das verantwortungsvolle Handeln in der Notlage sowie letztlich die Rückkehr zur Normalität sind dahingegen sehr herausfordernd. Jetzt gilt es, die Verantwortung wieder zurückzunehmen und Massnahmen für die Zukunft festzulegen. Wichtig ist momentan auch, dass politische, extreme Ideen keinen Nährboden erhalten – damit später nicht wieder Ungewolltes beseitigt werden muss.


Bericht als PDF (ohne Fazit)

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